Kompendium Geburtshilfe
Hintergrund
Die Krankenhäuser sehen sich in den letzten Jahren zunehmend mit verschiedenen Herausforderungen konfrontiert: Klinikschließungen und -zusammenschlüsse, Fachkräftemangel und Stellenbesetzungsprobleme. Diese Aspekte haben auch Einfluss auf die Vorhaltung von Fachabteilungen bzw. sind auch hier zu beobachten. Insbesondere im Bereich der Geburtshilfe gab es in den letzten Jahren neben der zu beobachtenden Konzentration, verschiedene Entwicklungen und auch Neuregelungen durch das Krankenhausversorgungsverbesserungsgesetz (KHVVG).
Methode
Sekundärdatenanalyse und repräsentative Umfrage bei Krankenhäusern mit geburtshilflichen und/oder neonatologischen Fachabteilungen, an der sich bundesweit 218 Krankenhäuser beteiligten.
Ergebnisse
Im Jahr 2000 wurden noch in mehr als der Hälfte der Krankenhäuser (52,3 %) Frauen entbunden. Bis zum Jahr 2023 reduzierte sich der Anteil der Kliniken mit Entbindungen auf 39,1 %. Eine Folge davon ist, dass die durchschnittliche Anzahl von Entbindungen je Krankenhaus im Zeitraum von 2000 bis 2024 von 712 auf 1.133 gestiegen ist (Mittelwert). Das entspricht einer Steigerung um fast 60 %. Es erfolgte in diesem Zeitraum also eine Konzentration der Geburten auf größere Krankenhäuser.
Zwischen 2000 und 2024 hat es Verschiebungen bei der Art der Geburt gegeben. Im Jahr 2000 lag der Anteil der normalen (Spontan-)Geburten an allen Entbindungen bei 72 %. Bis zum Jahr 2024 reduziert sich dieser Anteil auf rund 60 %. Der Anteil der Kaiserschnitte nahm im gleichen Zeitraum entsprechend zu.
Aus der Befragung der Krankenhäuser geht hervor, dass drei Viertel der Krankenhäuser für das Jahr 2025 von Kosten ausgehen, die die Erlöse der geburtshilflichen Fachabteilungen übersteigen. Dies setzt den seit Erfassung der wirtschaftlichen Lage der Geburtshilfe im Jahr 2013 zu beobachtenden negativen Trend fort.
Nahezu alle Krankenhäuser haben in den letzten Jahren verschiedene Veränderungen bei ihrer Patientenklientel wahrgenommen. Mehr als die Hälfte der Kliniken gaben an, dass die Mütter älter geworden sind (76 %), sie einen hohen Body-Mass-Index (70 %) und mehr psychosozialen Unterstützungsbedarf haben (59 %). Dahingegen hat das Wissen über die Geburt (17 %) oder über die Säuglingspflege (5 %) aus Sicht der Kliniken kaum zugenommen. Insgesamt deuten die Ergebnisse darauf hin, dass die Versorgung der (werdenden) Mütter in den letzten Jahren für die Krankenhäuser aufwändiger geworden ist.
Eine relative neue Entwicklung stellt die Einrichtung von Hebammen geführten Kreißsälen dar. Knapp die Hälfte der befragten Häuser hat zum Befragungszeitpunkt einen Hebammenkreißsaal (HKS) eingerichtet (33 %) oder plante dies (11 %).
Fazit
Das Kompendium Geburtshilfe zeigt die aktuellen Entwicklungen der geburtshilflichen Fachabteilungen auf, nimmt eine Bestandsaufnahme der derzeitigen Situation vor und verdeutlicht die zukünftigen Perspektiven dieser Fachabteilung. Die Versorgung der werdenden Mütter wurde in den letzten Jahren immer aufwändiger. Die Erlöse decken immer weniger die Kosten der Krankenhäuser. Immer mehr geburtshilfliche Fachabteilungen schließen. Die Konzentration der Geburten auf immer weniger Krankenhäuser reduziert nicht das Kostenproblem.
(Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird auf eine geschlechtersensible Sprache verzichtet und das generische Maskulinum verwendet.)
Projektleitung
Expertin Versorgungsforschung