Abgeschlossenes Projekt

3. Perinatalbefragung zur pflegerischen Strukturqualität

Beginn: Februar 2023
Ende: April 2024

Hintergrund

Hintergrund der Perinatalbefragung bildet die Qualitätssicherungs-Richtlinie Früh- und Reifgeborene (QFR-RL) des Gemeinsamen Bundesausschusses (GB-A), die u.a. Anforderungen an die pflegerische Strukturqualität auf den neonatologischen Intensivstationen regelt. Mit Änderung der Richtlinie vom 18.05.2017 ist der klärende Dialog mit den Perinatalzentren, welche die Strukturvorgaben nicht erfüllen können, zum Zweck der Ursachenanalyse und Unterstützung bei der schnellstmöglichen Erfüllung der pflegerischen Anforderungen eingeführt worden. Nach Inkrafttreten des Pflegeberufegesetzes (PflBG) erfolgte eine weitere Änderung der Richtlinie, die eine eingeschränkte Anerkennung des generalistischen Abschlusses zum/zur Pflegefachmann/-fachfrau ohne Vertiefungseinsatz in der pädiatrischen Versorgung vorsieht.


Ziel

Ziele der Perinatalbefragung waren, den aktuellen Fachkräftemangel in der neonatologischen Intensivpflege zu erfassen, die Folgen der generalistischen Pflegeausbildung auf die Perinatalversorgung abzuschätzen und die Umsetzung des klärenden Dialogs mit den Perinatalzentren zu analysieren.


Methode

Für diesen Zweck wurden drei standardisierte Teilbefragungen von Perinatalzentren der Level 1 und 2 (n = 141, Rücklaufquote: 67 %) und Weiterbildungseinrichtungen für die pädiatrische Intensiv- und Anästhesiepflege (n = 40, Rücklaufquote: 85 %) sowie Pflegeschulen, die vor Einführung der generalistischen Pflegeausbildung die Ausbildung in der Kinderkrankenpflege nach dem Krankenpflegegesetz (KrPflG) angeboten haben (n = 78, Rücklaufquote: 60 %), durchgeführt.


Ergebnisse

84 % der Perinatalzentren in Deutschland hatten im Jahr 2023 Probleme, offene Pflegestellen zu besetzen. Im Durchschnitt war rund jede fünfte Stelle in der neonatologischen Intensivpflege unbesetzt. Noch dramatischer ist die Situation bei den Fachweitergebildeten in der pädiatrischen Intensivpflege. Hier konnte sogar mehr als ein Drittel der offenen Stellen nicht besetzt werden. Auch die aktuellen Aus- und Weiterbildungszahlen in der Pflege werden den künftigen Bedarf nicht decken.

Die Ergebnisse belegen darüber hinaus einen deutlichen Rückgang der Ausbildungsabschlüsse in der Gesundheits- und Kinderkrankenpflege im Zeitraum 2019 bis 2023. In diesen Zeitraum nahmen die Absolventenzahlen für die Gesundheits- und Kinderkrankenpflege in den ehemaligen Schulen für Kinderkrankenpflege um insgesamt 64 % ab. Dennoch trifft im Rahmen der generalistischen Ausbildung eine Vertiefung im Bereich der pädiatrischen Versorgung im 3. Ausbildungsjahr auf großes Interesse bei den Auszubildenden. In 90 % der Krankenhäuser mit Perinatalzentren gibt es Auszubildende mit solchen Vertiefungseinsätzen. Pflegeschulen und Perinatalzentren sind aber mehrheitlich skeptisch, ob die aktuellen Ausbildungszahlen den künftigen Bedarf decken und den Fachkräftemangel in der neonatologischen Intensivpflege dauerhaft lösen werden.
Seit 2017 sind die meisten Perinatalzentren (83 %), zumeist mehrfach, in den klärenden Dialog getreten. Der klärende Dialog hat damit zu mehr Transparenz in der Perinatalversorgung beigetragen. Die grundsätzlichen Probleme, der Fachkräftemangel in der Pflege und die rigiden Anforderungen der Richtlinie selbst, können durch den klärenden Dialog aber nicht gelöst werden.


Fazit

Trotz des Fachkräftemangels in der neonatologischen Intensivpflege attestieren wissenschaftliche Studien der Perinatalversorgung in Deutschland eine sehr hohe Ergebnisqualität. Diese Ergebnisse wurden erreicht, obwohl viele Perinatalzentren die pflegerischen Strukturvorgaben der QFR-RL gelegentlich oder häufiger verfehlen. Vor diesem Hintergrund erscheint es sinnvoll, die Richtlinie gezielt zu überarbeiten: konkret heißt dies, sie an die Versorgungsrealitäten anzupassen, ohne die Ergebnisqualität zu gefährden.


Weitere Informationen finden Sie hier in unserem PDF.

Gefördert durch:
Deutsche Krankenhausgesellschaft
Autoren:
Dr. Karl Blum / Ann Katrin Parloh

Autor

Dr. Karl Blum
Vorstand, Deutsches Krankenhausinstitut e.V. Leiter Geschäftsbereich Forschung