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Die Krankenhäuser im medizintechnologischen Innovationsgeschehen

Auftraggeber: Ministerium für Innovation, Wissenschaft und Forschung und Ministerium für Wirtschaft, Energie, Industrie, Mittelstand und Handwerk des Landes Nordrhein-Westfalen

Bearbeiter: Dr. Karl Blum, Dr. Matthias Offermanns

Beginn: Dezember 2016

Ende: Mai 2017

Hintergrund

Das Ministerium für Innovation, Wissenschaft und Forschung und das Ministerium für Wirtschaft, Energie, Industrie, Mittelstand und Handwerk des Landes Nordrhein-Westfalen beauftragten eine „Potenzialstudie zur Medizintechnologie in Nordrhein-Westfalen“. Die Potenzialstudie beschreibt die aktuelle Situation der Medizintechnologie in Nordrhein-Westfalen. Durch quantitative und qualitative Analysen sowie die Darstellung von Stärken und Schwächen der Branche am Standort werden Grundlagen für eine Strategie zur Fortentwicklung der Branche geschaffen.

Das Deutsche Krankenhausinstitut führte als Teil der Potentialstudie eine schriftliche Befragung bei den Krankenhäusern in Nordrhein-Westfalen durch.

Krankenhäuser nehmen im Bereich der Medizintechnologie eine besondere Rolle ein. Sie sind der größte und damit wichtigste Einsatz- und Anwendungsbereich von Medizintechnik. Medizintechnische Innovationen werden primär in der Krankenhausversorgung und hier vor allem in Universitätskliniken und anderen Einrichtungen der Maximalversorgung pilotiert. Deswegen sind Entwicklung- und Innovationspartnerschaften zwischen Medizintechnikunternehmen und Krankenhäusern ein wichtiges und zukunftsweisendes Kooperationsfeld. Darüber hinaus sind in der Krankenhausversorgung, über normale Kunden-Lieferanten-Beziehungen hinaus, zahlreiche weitere Kooperationsmöglichkeiten möglich oder bereits umgesetzt.

Vor diesem Hintergrund war es das primäre Ziel der Befragung von Krankenhäusern in Nordrhein-Westfalen, Kooperationen zwischen Krankenhäusern und Medizintechnikunternehmen umfassend zu untersuchen.

Methodik

Grundlage der Befragung war ein standardisierter Fragebogen, der zwölf Seiten bzw. rund 140 Items umfasste. Bei der Befragung handelte es sich um eine standardisierte schriftliche Krankenhausbefragung.

Grundgesamtheit der Krankenhausbefragung bildeten alle Allgemeinkrankenhäuser in Nordrhein-Westfalen ab 100 Betten (327 Krankenhäuser). Bei der Befragung zu den Krankenhäusern im medizintechnologischen Innovationsgeschehen handelte es sich um Vollerhebung für diese Grundgesamtheit.

Ergebnisse

Es zeigt sich, dass es bei einer Vielzahl von Krankenhäusern ein hohes Interesse an innovationsorientierten Kooperationen mit medizintechnischen Unternehmen gibt. Die praktizierten Kooperationen bleiben jedoch in Umfang und Qualität noch deutlich demgegenüber zurück.

Ursachen hierfür liegen unter anderem darin, dass Kooperationen mit und Investitionen in Medizintechnik grundsätzlich unter Finanzierungsvorbehalt stehen (Investitionsstau). Das wichtigste Entscheidungskriterium für Investitionen in Medizintechnik bildet die Dringlichkeit von Ersatzinvestitionen. Vor diesem Hintergrund ist das Preis-Leistungs-Verhältnis von Kooperationsangeboten seitens der Medizintechnikindustrie vielfach für Krankenhäuser nicht hinreichend attraktiv. Den Angeboten wird zwar durchaus ein hoher potenzieller Nutzen – insbesondere hinsichtlich der Qualität und des Innovationsgehaltes – attestiert. Insgesamt liegt aber offensichtlich in diesen Restriktionen der öffentlichen Investitionsfinanzierung von Krankenhäusern ein zentrales Hemmnis für innovationsorientierte Kooperationen und für strategisch angelegte Erneuerungs- oder gar Erweiterungsinvestitionen begründet. Weitere Aspekte, die eine intensivere Zusammenarbeit erschweren, sind ‚externe Effekte‘ der Kooperationen wie Compliance-Probleme, ein hoher Organisations- und Koordinationsaufwand sowie Einschränkungen unternehmerischer Freiheiten.

Fazit

In der Ausgestaltung der Kooperation zwischen Industrie und Klinik liegt somit ein offenkundiges, noch nicht geborgenes Potenzial für eine nachfrageorientierte Strategie zur Standortstärkung in der Medizintechnik. Hierbei muss klar sein, dass es dabei mit Blick auf die Dichte der NRW-Krankenhauslandschaft um ein für die Medizintechnik-Industrie interessante Nachfragevolumen geht.